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Montag, 22.02.2010, 10:19

Letzter Akt. Letzte Szene.
Teilchen betritt die Bühne und sagt:

Es war mir eine Freude hier in diesem Theater aufzutreten. Doch jetzt ist es Zeit ein neues Engagement anzunehmen.

Ich werde mich nun auf eine Reise begeben. Eine Reise, die nur in meinem Kopf stattfindet. Von der ich nicht weiß wohin sie mich führt, und wie lange sie dauert. Die ein Sprung ins kalte Wasser sein wird, aber wie sagte schon Hr. Heller „Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf dann sind sie nirgendwo“.

Ich werde natürlich ab und zu hierher zurückkommen, allerdings nur mehr als Zuhörer (naja eigentlich ja als Zuleser). Ich werde 1. Reihe fußfrei sitzen, und mit euch lachen, weinen, staunen, mitfühlen, mich ärgern, und manchmal auch zornig sein. Nur die Bühne werde ich hier nicht mehr betreten.

All jenen, denen meine Geschichten gefallen haben, und die mir das auch geschrieben haben, bin ich zu innigstem Dank verpflichtet. Ihr habt mir die Kraft und vor allem das Selbstbewusstsein gegeben, diese Reise überhaupt anzutreten.

Aber auch dem Woman Team gebührt mein Dank. Ohne euch gäb’s ja diesen Blog gar nicht.

Mit einem lachendem und einem weinenden Auge sage ich: „ Es war mir ein Volksfest. Danke. Und Tschüß.“

Teilchen verlässt die Bühne.
Der Vorhang fällt.


Mittwoch, 17.02.2010, 12:04

Da lag ich also nun frisch und munter im Aufwachraum,(„Weil’s hoit so Vorschrift is‘“ wir erinnern uns) und wartete, auf,… ja auf was eigentlich.

Ich mein‘, nicht das ich jetzt einen anderen Termin gehabt hätte. Aber ich lieg ungern rum, wenn ich nicht weiß wieso. Und schon gar nicht mit leerem Magen.

Die Zeiger der Uhr drehten sich langsam, aber unerbittlich auf High Noon, und mittlerweile verspürte ich den unwiderstehlichen Drang mich zu duellieren. Ohne Colt. Versteht sich. Nur mit den Waffen einer Frau. Also mit Köpfchen und Mundwerk.

Also fragte ich den Pfleger, wie lange das denn hier noch dauern würde, und ob ich irgendwas dazu beitragen könnte um es zu beschleunigen.

Die überaus knappe und nicht sehr freundliche Antwort:“So lang’s eb’n dauert“, und „ Na“!
„So lange WAS dauert?“ fragte ich, mich dem Tonfall meines Gegenübers anpassend.
„Bis ihnare Fiass wieder g’spiern“, schrie er vom Dienstzimmer rein, und biss genüsslich in ein Schinkenbrot.
Das war zuviel für mich. Nein, nicht der Tonfall. Das Schinkenbrot. Mein Magen gab mir unmissverständliche Zeichen, dass es Zeit wurde.

Und deshalb ließ ich ein Wunder geschehen. Ich spürte meine Füße plötzlich. Nicht zur Gänze, aber davon hat er ja auch nichts gesagt. Oder?

Also schrie ich: Wos sog’ns des net glei!

Er kam, sah, und ich siegte.

Ich fühlte mich zwar noch immer wie die zersägte Jungfrau, aber immerhin wartete im Zimmer schon das Essen. Nach dem Seehecht hatte ich schon das Gefühl eine Meerjungfrau zu sein. Nicht das ich in diesem Zustand hätte schwimmen können, aber das Gehen mit dem noch halbtauben Unterleib wäre mir vermutlich ebenso schwer gefallen.

Rechtzeitig zur Besuchszeit am Nachmittag traf jedoch auch mein Unterleib wieder ein und ich konnte aufstehen. Leichtfüssig wie eine Gazelle wollte ich mich aus dem Bett schwingen. Halbseitig gelang es mir auch, nur die linke Seite erinnerte eher an ein Nilpferd, das sich gerade träge im Schlamm wälzt. Aber der Gedanke an eine Zigarette und ein WC, ja in dieser Reihenfolge, gab mir ungeahnte Kräfte.
So schleppte ich mich den ganzen Nachmittag durch die Gegend. Der Umfang meines Beines kam mir zwar komisch vor. Aber, so dachte ich mir, wird halt das ganze Verbandszeug sein. Was denn auch sonst.

Die Nacht war nicht wirklich erholsam, aber Schmerzmittel, nein Schmerzmittel braucht Teilchen nicht. Weil nach einer OP hat man eben Schmerzen. Aus Basta. Da braucht man nicht zu jammern.

Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen. Nach der Morgenvisite sollte es nach Hause gehen.

Die Krankenschwester wickelte den Fuß aus, der Doc sagte: „ Also Fr. Teilchen, heute geht’s nach…“ und in diesem Moment erblickte er meinen Fuß.

Oh, was is denn mit dem Fuaßerl, der schaut aba gor net guat aus“ war dann das nächste was er sagte.

„Fuaßerl???? Bitte des is ka Fuaßerl, des is net amoil a Fuaß“, hörte ich mich im Schock sagen. Das wäre jetzt das gleiche als würde ich zu einem Grizzlybären den ich zufällig in Kanada treffe sagen „Servus Pezibär."

Warum, wieso, weshalb, wann, wer, wie, wo? Alle Fragen hab ich gestellt. Und jetzt ratet mal in welche Kategorie wir all diese Fragen einordnen können. Hauptkategorie: Fragen auf die man keine Antwort bekommt. Unterkategorie: Umsonst

„Sieh’s positiv“, sagte mein Ältester,“ dafür hast kane Dellen mehr. Alles prall.“ Er hatte wirklich Glück, dass ich diese schwere Waffe, mit der ich momentan ausgestattet war, nicht bedienen konnte. Ich hatte nämlich Aufstehverbot.

10 Tage lang! Und es half…, nix. Gar nix, um genau zu sein.

Außer das ich auf dem besten Weg war meinen restlichen Körper, umfangmäßig an meinen linken Fuß anzupassen. Fernsehen, lesen, telefonieren und schlafen sind nicht gerade Tätigkeiten die viel Kalorien verbrauchen. Und essen ist da erfahrungsgemäß erst recht kontraproduktiv.

Der letzte Ausweg war jetzt nur mehr eine Punktion. Von diesem Ergebnis war ich dann so angetan, dass ich den Arzt fragte, ob man denn das nicht an anderen Körperstellen auch……

Die Frage, fiel jetzt leider in die Kategorie: Fragen auf die man eine blöde Antwort bekommt. Unterkategorie: „Leider nein!“


Dienstag, 09.02.2010, 09:03


Und Harry fuhr den Wagen vor.

Aber bevor es richtig losgehen konnte, musste „Running Sushi“ erst betäubt werden. Zumindest die Hälfte davon. Der „Running“ Teil sozusagen. Da dieser Vorgang in sitzender Position vorgenommen wurde, hatte ich so die Gelegenheit, den OP genauer zu betrachten.

Mein Blick fiel auf die 2 (Arthroskopie) Stäbchen, die wie mir versichert wurde nicht „Made in China“ waren. Nachschauen durfte ich ja nicht, die sind dort nämlich sowas von penibel was Hygiene angeht. Aber sie waren zumindest nicht aus Holz. Wahrscheinlich auch aus Hygienegründen.

Und während die ganzen grünen Männchen geschäftig um mich herumwuselten, versuchte ich herauszufinden warum die eigentlich alle grün waren. Warum nicht rot, dass wäre doch viel logischer, man würde das Blut, dass ja bei einer OP unweigerlich vorhanden ist nicht so sehen. Andererseits sind Schlachthofmitarbeiter weiß gekleidet, was aber vielleicht einen ganz einfachen Grund hat. Die passen dort nicht so auf. Also mehr Blut. Und deshalb weiß. Weil weiß kann man ja auskochen. Also war ich froh, dass sie grün waren und nicht weiß. Meine Fragen wurden soweit ich mich erinnern kann nicht beantwortet, oder aber ich habe sie auf Grund des Drogenkonsums vergessen.

Während sich meine untere Hälfte schön langsam ins Nirwana vertschüsste, also jetzt nur rein gefühlsmäßig, wurde meine obere Hälfte angebunden. Wahrscheinlich zur Sicherheit, falls ich es mir anders überlege, und plötzlich davonlaufe. Man muss ja nicht alles verstehen, oder?

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, alle Fragen beantwortet waren, oder auch nicht, und alle außer mir dem Wahnsinn nahe waren, konnte die OP beginnen.

Die Stäbchen wurden unterhalb der Kniescheibe eingeführt, und über einen Bildschirm konnte ich alles mitverfolgen. Die einzelnen Meniskusteile wurden herausgezwickt, dann wurde noch die Kniescheibe glattgefräst. Alle meine Fragen wurden diesmal zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Und das war’s. Die ganze OP. Würden die da nicht so komische Vorschriften haben, wie zum Beispiel das Anbinden der Hände, konnte ich das nächste Mal glatt selbst operieren.Also wirklich reichlich unspektakulär. Wenn ich nicht mittendrin für etwas Aufregung gesorgt hätte.

Denn plötzlich schrie mein Aufpasser (der, der einem die ganze OP nicht aus den Augen lässt): „Bludruckabfall!“ Ich dachte zuerst an eines der grünen Männchen. Na ja hätte ja sein können, das einem schlecht geworden ist. Bis ich mitbekam, die meinen mich.

Ich schrie:“ Wievü?“ Und bekam auch prompt einen Antwort, wahrscheinlich war er selbst überrascht darüber.

„90 zu 55!“


„Ah“, sagte ich und legte meinen Kopf wieder beruhigt zurück,“ da braucht’s euch net aufreg’n, des is mei‘ ganz normaler Blutdruck.“ Mich hat es eher gewundert, dass er noch so hoch war, denn schließlich hatte ich eine Beruhigungstablette bekommen, und die OP war auch nicht gerade aufregend.

Was ihn aber zu folgender Feststellung veranlasste: „Sowas wia sie, kummt uns a net oft unter.“

Das konnte nun vieles bedeuten. Ich entschied mich aber, diese Frage unter der Kategorie „Fragen die ich nie beantwortet haben will“ abzulegen.

Und so unspektakulär sie begonnen hatte, so endete sie auch.
Mein Fuß wurde zur Gänze eingewickelt, und mich verfrachteten sie in den Aufwachraum. Warum jetzt Aufwachraum, wenn ich doch gar nicht aufwachen musste?

Das ist eine der Fragen gewesen, die in die Kategorie „Fragen die mit „Weil’s hoit so Vorschrift is“ gehört.

Und davon gibt es eine ganze Menge, wie ich die nächsten Tage feststellen musste.

Welche das sind, und warum Teilchen jetzt dem Wahnsinn nahe ist, davon im 3. Teil.


Mittwoch, 27.01.2010, 11:56

Sprung. Krach. Schmerz.
Viel Schmerz!

Ich behaupte hier jetzt mal einfach, dass mein Mann genau wusste wie er mich zu behandeln hatte. Denn die Äußerung „ I hob’s da jo glei‘ g’sagt!“ wäre im Normalfall ja ungefähr genau so hilfreich gewesen wie ein Taschentuch bei einer Überschwemmung. Doch Zorn verdrängt den Schmerz wunderbar, wenn auch nur für kurze Zeit.

Schock aber auch. Ein Blick auf meine Knie , das scheinbar gerade in anderen Umständen war, hätte auch genügt.
Nicht das meine Beine je Modelmaße hatten, oh nein da sind schon im Normalzustand Welten dazwischen. Jetzt allerdings sah es so aus, als würde sich in diesem Moment ein neues Sonnensystem rund um mein Knie bilden. Kein recht erbaulicher Anblick.

„Des schaut oba gor net guat aus“, stellte meine Familie trocken fest, während ich überlegte, ob man mein Bein nicht wenigsten als Mordwaffe nutzen könnte.

In etwa die gleichen Worte, benutze der Überbringer der schlechten Nachricht, nachdem er sich die Bilder der MR- Untersuchung angesehen hatte. Mein Meniskus hatte die Ablaufzeit überschritten, und sich in 3 Teile aufgelöst. Ein Teil pro überwundenen Höhenmeter. Ja, das ergibt durchaus Sinn.
Die OP lehnte ich dankend ab. Zuerst wollte ich eine zweite Meinung.

Also Anruf beim Sportmediziner meines Vertrauens, der schon meine Jungs unterm Messer hatte.
Die Diagnose wurde leider bestätigt, um eine OP würde ich also nicht herumkommen.
Da er auch meinen Sonderwunsch akzeptierte, wenn auch sehr erstaunt, bekam er den Zuschlag.

„Du willst was!?! Zuschauen? Sag amaoi geht’s dir nu gut?“ Na ja, ich würde sagen , meine Familie war nicht sehr begeistert von meinem Wunsch. Aber wenn ich schon einmal die Chance habe bei einer OP beizuwohnen, dann möchte ich auch was davon haben.

Am Vorabend der OP bezog ich mein Zimmer, die letzten Untersuchungen wurden gemacht, die OP nochmal erklärt, und mein Knie, das sowieso noch nie ein Haar gesehen hat, wurde rasiert. Vorsorglich wahrscheinlich. Könnten ja über Nacht noch ein paar wachsen. Ich schaute fern, genoss ein hervorragendes Essen, uns schlief wie ein Murmeltier. Genau bis 6 Uhr. Dann wurde ich geweckt.

Fiebermessen, duschen, OP-Kleidung anziehen, und dann bekam ich die Beruhigungstablette verpasst. Obwohl ich gar nicht aufgeregt war. Das war ich erst nach der Diskussion über den Sinn einer Beruhigungstablette für sowie nicht aufgeregte Patienten. Na ja, jetzt erfüllte sie wenigsten ihren Zweck. Und die Schwester passte sogar auf, ob ich sie wirklich schlucke.

Und wie ich sie geschluckt habe! Hätte mir vorher wer gesagt was die auslöst, hätte ich sie ja von selbst verlangt. Mein Gott war ich gut drauf. Auf der Fahrt mit dem Bett zum OP kam ich mir vor wie Schumacher, was aber auch an meinem Pfleger lag. Der war nämlich auch gut drauf. Vielleicht hatte er die gleiche Tablette….. Auf meine Frage hin, verneinte er aber.
Dann wurde ich aus meinem Bett auf ein grünes Förderband gehoben, welches mich langsam zur OP Tisch beförderte. Aus Schumi wurde Sushi. „Running Sushi“. Ich fand diese Wandlung so witzig, dass ich das gleich dem gesamten OP Team mitteilte. Und weil ich von allen nur die Augen sehen konnte, und sofort an den Vorspann der Krimiserie „Tatort“ dachte, tat ich es mit folgenden Worten:“ Einmal Running Sushi für das Tatort-Team.“

Außerdem dachte ich mir, ich spiele besser ein Sushi als eine Leiche, womit ja in der Regel eine Tatortfolge beginnt.

Mein Operateur grinste und bewies Spontanität als er zum Pfleger sagte: „ Na, dann. Harry fahr den Wagen vor.“

Alle weiteren Ermittlungserfolge, ähm Erzählungen gibt’s dann in Teil 2.


Dienstag, 22.12.2009, 14:40

Zutaten:
3 Männer
1 Hund
15 Kekssorten
5 verschiedene Sorten Schnäpse
1 Frau
1 Weihnachtsbaum


Zubereitung:

Man nehme 3 Männer ohne nennenswerte Erfahrung in der Küche, die der festen Überzeugung sind, dass das Backen von 15 verschiedenen Sorten Keksen eine Kleinigkeit ist.

Für das Gelingen dieses Rezeptes ist es von besonderer Bedeutung, dass die Kekse einen besonders hohen Schwierigkeitslevel haben. Und keinesfalls, ich betone, keinesfalls darf die Frau des Hauses während der Zubereitung die Küche betreten.

Eingekauft werden nur die allerbesten Zutaten, und das in Massen. Sollte man sich nicht sicher sein, was „Massen“ sind, lässt man die Männer den Einkauf tätigen, dann kann überhaupt nichts mehr schiefgehen.

Nun kann man sich beruhigt zurücklehnen (oder auch nur so tun), und warten.
Darauf dass die Küche abbrennt, oder in Teigmassen versinkt, oder einfach nur darauf, dass sich jemand schwerwiegend verletzt.

Nach spätestens 5 Minuten wird einer der drei die erste von vielen Fragen stellen.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden diverse Küchenutensilien nicht gefunden. (Die weibliche Logik des Einräumens unterscheidet sich grundlegend von der männlichen.)
Teige müssen begutachtet werden. Der Begriff Wasserbad ist zu erklären. Ebenso wie diverse unverständliche Rezeptangaben.

Diese Fragen sind einfach nur zu beantworten, ohne sich allerdings einzumischen oder gar die Küche zu betreten.
Nicht wenn man sieht, dass die Teige bei -15° am Balkon nicht die optimale Lagertemperatur haben.
Nicht wenn man hört, dass 3 ganze Eier für einen Teig benötigt werden, und es aus der Küche schallt:“ Wir brauchen 3 ganze Eier, ober ohne Schal’n.
Nicht wenn man riecht, dass anstatt köstlichen Keksduftes, der Duft diverser Schäpse durch die Wohnung zieht.

Durch die weibliche Neugier angetrieben, betritt man die Küche natürlich trotzdem. Und ist erstmal sprachlos.

Der Inhalt sämtlicher Küchenladen und Schränke hat seinen Weg in die Freiheit gefunden. Die Flächen die nicht bemehlt, oder gezuckert sind, sind mit Schokolade glasiert. Die einzige saubere Fläche ist der Fußboden, dafür sorgt der lebende Biomüllkübel auf vier Beinen, der auch über eine automatische Staubsaugerfunktion mit integriertem Bodenwischtuch verfügt.

Auf den Schock trinkt man erstmal den dargebotenen Schnaps, und isst einige der fertigen Trüffeln, deren Alkoholgehalt man aber nicht unterschätzen sollte. Die richtige Konsistenz haben diese erst, wenn man sagen kann „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“.

Dann überlegt man sich einen Rachefeldzug. Und was würde sich hier besser anbieten, als ein Alleingang beim Aussuchen des diesjährigen Weihnachtsbaumes.

Da man das Auto, auf Grund diverser alkoholischen Einnahmen, natürlich nicht mehr benutzen kann, wird fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Und natürlich gefunden.
Ein Rucksack wird geschultert, der Hund, der scheinbar auch von den Trüffel etwas abbekommen hat, aus der Küche gezerrt, und auf geht’s.

Der Christbaum wird nicht nach etwaigen Fehlwüchsen untersucht. Nein. Wir wenden unser Augenmerk dieses Jahr ausschließlich auf das untere Ende des Stammes. Denn zum Unterschied von manch anderem, ist hier die Größe entscheidend. Genau genommen der Umfang.
Nach dem Kauf, wird der Inhalt des Rücksacks ausgepackt. Drei Stück Rollerskates. 1 Paar zieht man sich an , eines dem Christbaum.

Die linke Hand hält den Hund, die rechte den Baum, und dann rollt man nach Hause.

Und für diesen Teil des Rezeptes, sind jetzt 3 Faktoren wichtig die unbedingt eingehalten werden müssen. Rollsplit auf dem Gehsteig, die Neigung des Geländes, und ein Hund der zieht wie ein Verrückter.

Ohne diese Faktoren wäre das Gelingen des kapitalen Sturzes nämlich nicht möglich.

Zu Hause angekommen schießt man den Hund auf den Mond, packt den Baum weg, die Kekse aus, und sich selbst (zumindest eine Hand) ein.

Ob gerührt oder geschüttelt, dieses Rezept funktioniert immer.


Ich wünsche Euch allen wunderschöne Weihnachten.


Freitag, 04.12.2009, 13:14

Wir machten es im Wald, beim Eislaufen, beim Schifahren, beim Rodeln, in verschiedenen Städten, an gut beleuchteten, oder an idyllischen Plätzen.

Wir machten es zu Hause, im Esszimmer, im Wohnzimmer, in der Küche. Am Boden, auf der Couch, oder im Stehen. Mit Verkleidung, oder ganz normal.

Und weil es immer schwieriger wird, geeignete Plätze für unser Vorhaben zu finden, habe ich das letzte Mal verweigert. Ich hatte keine Lust mehr, im Freien zu frieren. Keine Lust mehr, immer auf den besten Zeitpunkt zu warten, wann möglichst wenig Leute im Blickfeld waren. Ich hatte auch keine Lust mehr mir jedes Mal wieder was Neues auszudenken. Nein, ich streikte.

Und dieses Mal muss ich wieder. Und nur wegen dem Familienfrieden habe ich mich breitschlagen lassen.

Ja, es gibt dieses Jahr wieder ein Familienweihnachtsbild. Mama, Papa, Kinder, Hund. Wie jedes Jahr.

Die Omas und Opas, die Tanten und Onkeln, die Schwestern und Brüder haben gewonnen. Nach dem Aufschrei letztes Jahr, Beschwerdetelefonate, und vorwurfvollen Mails müssen wir wieder.

Also beginnen wir wie jedes Jahr mit unseren Vorbereitungen schon im November. Es wird überlegt, abgestimmt, verworfen. Wieder überlegt, abgestimmt, usw., usw. Das heißt eigentlich überlege ich, abgestimmt und verworfen wird vom Rest der Familie. Ich habe nämlich den überaus stressigen Job eines Drehbuchautors, und Produzenten bekommen.

Kameramann, Beleuchter, Kabelträger, übernimmt mein Mann. Während meine Söhne die männlichen Hauptrollen spielen, mit allen Starallüren die dazugehören. Shootingstar in dieser langjährigen Serie ist allerdings Harley.

Hat meine Familie sich für einen meiner Vorschläge erbarmt, schreiten wir zur Tat. Was sich hier allerdings so einfach schreibt, ist in Wirklichkeit ein langwieriges Unterfangen.

Es wird aufgebaut. Beleuchtet. Gemessen. Probegesessen oder- gestanden. Eingestellt, umgestellt, Probegesessen oder –gestanden. Ja wahre Künstler sind nicht einfach zu händeln. Und wenn dann alles seine Richtigkeit hat dann schreiten wir, geschminkt (also eigentlich nur ich), Haare gefärbt (also eigentlich nur ich), in unserer jeweiligen(Fest) Bekleidung vor die Kamera.

Der Selbstauslöser wird getimt, mein Mann stürmt zu uns, stellt sich in Position, wir lächeln, und lächeln, und lächeln, und wenn ich mir 100%ig sicher bin, dass das mit dem Selbstauslöser nicht klappt, und es genau in diesem Moment anmerken möchte, dann…. Blitz.

Oberhaupt kontrolliert das Bild. Stellt fest das Oberhauptin ganz blöd drein schaut. Alle anderen werden gelobt. Und das ganze nochmals von vorne. Und nochmals, und…na eh scho wissen.
Irgendwann verwandelt sich mein Mann dann in Bruce und schreit:“Drama, Baby, Drama!“ Allerdings hört sich das in grantlerischen Dialekt eher so an wie : „Tram i, oder , Tram i! Des gibt’s do net.“ Kaunst du jetzt bitte amoil lochen und de Augen offenlassen.“

Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, ich kann die Blitze von der Kamera nicht mehr von den Blitzen vor meinen Augen unterscheiden. Aber damit ich die sensible Künstlerseele nicht mehr unnötig stresse, nehme ich mir vor einfach ein klum‘sches Dauerlächeln aufzusetzen. Und die Augen einfach weit aufzuspreitzen. Beim nächsten Foto hat’s dann auch geklappt. Ich sehe zwar weiterhin dämlich aus, aber immerhin mit offenen Augen, und mit einem Lächeln. Allerdings war auch dieses Foto nicht zu verwenden. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, wie dumm ein Hund dreinschauen kann. Aber Harley belehrte mich eines besseren.

Die männlichen Hauptdarsteller werden zu diesem Zeitpunkt langsam ungeduldig, und drohen mit Boykott. Der Produzent, also ich, belehrt sie dann über ihre vertraglichen Verpflichtungen. Der Shootingstar ist in der Zwischenzeit eingeschlafen. Der Kameramann schreit seine Anweisungen durch die Gegend. Und ich?

Ich lächle, mit weit aufgespreitzten Augen, und singe in Gedanken ein Lied:“ Alle Jahre wieder,….“


Dienstag, 17.11.2009, 13:37


Wenn der Gesang der „Toten Hosen“ aus meinem Handy ertönt, dann weiß ich, dass einer meiner Söhne eine Unterhaltung mit seiner Mutter anstrebt. Was bei den spärlichen Anrufen meiner Jungs im Allgemeinen ja durchaus erfreulich ist.

Wenn dieser Anruf allerdings mit den Worten „Bitte Mama, reg‘ di net auf“ beginnt, dann bedeutet das allerdings das Gegenteil davon. Und es bedeutet auf keinen Fall, das ich mich nicht aufrege.

Mein Adrenalin erreicht in Millisekunden den Höchstpegelstand der hochwasserführenden Donau. Für einen kurzen Moment setzt mein Herzschlag aus, die schlimmsten Szenarien ziehen durch meinen Kopf, und gleichzeitig beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass es so schlimm nicht sein kann, denn immerhin sind sie fähig zu telefonieren. Also brülle ich immer ganz ruhig: „WOS IS PASSIERT?!“

Und es ist immer was passiert, wenn dieser Satz unsere Konversation einleitet. Und wenn was passiert ist, dann reg‘ ich mich auf. Und wenn ich mich aufreg‘ dann will ich verdammt nochmal sofort wissen, was los ist. Ohne Verzögerung. Ich wünsche klare Worte. Fakten.

Und was machen meine Jungs? Sie wiederholen nicht nur ihren Anfangssatz. Oh nein. Sie fügen sogar noch ein „Mama, bleib‘ ruhig“ dazu. Und wenn ich dann knapp dran bin an mehreren Sachen gleichzeitig das Zeitliche zu segnen, geben sie mir in betont ruhiger Weise die nächste kleine Information. In einem Satz. Nichts Genaues. Keine Details.

Ein Satz. Aus. Punkt. Ende. Diese Jungs, meine Jungs, deren eine Hand schon im angewinkelten Zustand erstarrt ist auch wenn sie kein Handy hält. Diese Jungs, meine Jungs, von denen ich mir immer wieder Kinderbilder ansehe, um mich zu vergewissern dass sie zweiohrig geboren sind, weil ich immer nur eines zu Gesicht bekomme, da sie scheinbar an einem Weltrekord im Dauertelefonieren arbeiten, lassen sich plötzlich Satz für Satz aus der Nase ziehen.

Ein Meister seines Faches ist hier mein Jüngster. Bedingt wahrscheinlich auch durch die Häufigkeit seiner Anrufe. Gäbe es im Krankenhaus sowas wie eine Stammkundenkarte , hätte er sicher schon Platinstatus erreicht. Vom Portier bis zum Primar kennen uns alle.

Meiner Meinung nach liegt dies an seinem Geburtstag. Mein Sohn ist nämlich ein Montagskind. Und scheinbar gibt es da Parallelen zu einem Montagsauto. Die haben auch pausenlos etwas.

Man sollte meinen, dass ich in der Zwischenzeit schon etwas abgebrühter bin, wenn mich so ein Anruf erreicht. Dass ich das aber nicht bin, und auch nie sein werde, zeigte mir ein Anruf meines Jüngsten am letzten Freitagvormittag, der mit eben diesem Satz begann. Ich durchlebte zum x-ten Mal die oben beschriebene Situation, mit einer Zusatzsteigerung.

Er teilte mir also kurz mit, was passiert ist, (er fiel in der Schule von der Leiter, mit dem Kreuz genau auf einen Tisch), und unterbrach dann das Gespräch mit den Worten:“ I muaß aufhörn, da Notarzt is‘ da.“

„Notarzt???“

Die Schule liegt 200m vom Krankenhaus entfernt. Es muss also wirklich was Schlimmes passiert sein. Ich also sofort im Höllentempo zum Krankenhaus. Und dann hieß es warten. Und warten, und warten. Erstdiagnose: Verdacht auf Wirbelbruch.

Nach den Untersuchungen stellte sich zum Glück heraus, dass ihm nichts passiert ist. Gar nix.

Und trotzdem redete der diensthabende Arzt von Freitag, dem 13. als Unglückstag.

Freitag, der 13. ein Unglückstag?

Oh, nein!

Wenn mein Montagskind an einem Freitag dem 13., von einer Leiter fällt, und sich dabei nicht verletzt, dann kann es nur ein Glückstag sein.


Mittwoch, 28.10.2009, 11:14


Als mich heute kurz nach 2 Uhr morgens ein verdächtiges Geräusch an der Eingangstüre aus dem Schlaf riss, kollidierten zwei meiner Eigenschaften miteinander, die sich vorher scheinbar immer aus dem Weg gegangen sind.

Zum Zorn über meine gestörte Nachtruhe, gesellte sich die Furchtlosigkeit (zugegeben die hatte sich vorher schon mit einer großen Portion Selbstüberschätzung gepaart). Die zwei verstanden sich jedenfalls auf Anhieb so gut, dass sie gleich die Korken knallen ließen. Das Adrenalin floss in Strömen, und benebelte in kürzester Zeit mein Gehirn. Deshalb kam ich auch nicht im Entferntesten auf den Gedanken meinen Mann oder meine Söhne zu wecken. Und schon gar nicht fiel mir ein die Polizei zu rufen. Bis die zu uns kommen, ist der längst weg. Und mein Hund, ja den hörte ich aus dem Wohnzimmer selig schnarchen. Von dem wäre aber sowie keine Hilfe zu erwarten gewesen. Der freut sich über jeden Besucher.

Also, selbst ist die Frau. Und ist sie auch noch so klein. Ha! Wäre doch gelacht, wenn ich nicht mit einem Einbrecher fertig würde. Niemand stört meine Nachtruhe ungestraft. Niemand!

Mit bloßen Händen konnte ich dem Einbrecher aber schlecht entgegentreten. Ich war zwar furchtlos, aber nicht blöd. Ich benötigte etwas um mich zu verteidigen. Baseballschläger? Schlecht. Um ihn wirklich zu verletzten müsste ich ihn ziemlich genau treffen, und da fehlt mir die Kraft. Pistole? Habe ich nicht. Ich hasse Schusswaffen. Hm. Messer? Ja, damit müsste es gehen. Also schlich ich im stockdunklen auf Zehenspitzen in die Küche. Hier hatte ich die Qual der Wahl. Brotmesser mit Wellenschliff, oder großes Fleischmesser. Ich entschied mich für Letzteres.
Als ich das Messer in der Hand hielt, fiel mir ein Bericht ein, den ich erst vor kurzem gelesen hatte. Über Frauen als Mörder. Die Statistik zeigt nämlich, dass Frauen eher zu unblutigen Morden tendieren. Also Gift und so. Also wäre ich eine eher untypische Mörderin. War mir aber schon vorher klar, dass ich eher untypisch bin. Hätte mich auch direkt gewundert, wenn ich mal was mache, dass die Statistik zeigt. Außerdem bitte, was hätte ich machen sollen. Hätte ich ihm das Gift, sofern ich welches gehabt hätte, durch das Schlüsselloch blasen sollen. Oder ihn vielleicht vorher zu einer Tasse Tee einladen sollen. Also? Na eben. Außerdem hatte ich nicht vor das Messer zu benutzen. Es sollte lediglich zur Abschreckung dienen. Und für den Fall, dass es zum Äußersten kommen sollte entschuldigte ich mich in Gedanken bei den Statistikern, und machte mich auf den Weg zur Tür.

Noch immer war ein Scharren und Kratzen an der Tür zu hören. Was mir irgendwie zeigte, dass das kein Profi sein konnte, denn sonst hätte er die Tür schon längst aufgebrochen. Ich versuchte durch dass Guckloch zu sehen, und sah…..Nichts!!! Es war stockdunkel. Und plötzlich auch ganz still.

Hatte mir mein Verstand einen Streich gespielt? Hatte ich das alles nur geträumt? Ich legte mein Ohr an die Tür. Stille. Ich weiß nicht wie lange ich da stand, das Messer in der rechten Hand, und wartete. Auf was eigentlich? Irgendwann, wurde mir das Warten zu blöd. Ich sperrte so schnell ich konnte das Schloss auf, riss die Tür auf, und schrie ganz laut: „Ha!“ So „Kungfumäßig Ha“. Oder so „Jetzt hab‘ ich dich Ha“. Mir fiel nichts anderes ein. Was schreit man wenn man einen Einbrecher ertappt? Das Herz klopfte mir bis zum Hals, die Hand die das Messer hielt zitterte, und aus den Augenwinkeln konnte ich am Boden eine Bewegung vernehmen. Ich hatte mich also nicht getäuscht. Da war jemand. Etwas. Meine Augen wanderten zum Boden, und…..

„Sog‘ amoil spülst jetzt Psycho“? Die Stimme war eindeutig hinter mir. Ich drehte mich langsam um, und begann zu lachen. Keine Panik. Es war kein irres Lachen. Sondern ein befreiendes, aufatmendes Lachen. Mein Mann, und meine Söhne starrten mich mit etwas verwunderten Blicken an. Und als der „Einbrecher“ an mir vorbeischlupfte, bequemte sich sogar mein Hund zu uns, um ihn zu begrüßen. Erhobenen Kopfes und ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen marschierte „Tequila“ unser Nachbarskater an uns vorbei, sprang elegant in den Hundekorb, wartete bis sich „Harley“ zu ihm gesellte, und bald schliefen beide Seite an Seite. Wahre Liebe kennt eben kein Hindernis.

„So“, sagte mein Mann,“ und jetzt erklärst uns bitte des Messer?“
„A des“, sagte ich etwas peinlich berührt,“ des is‘ a lange Geschicht!“


Donnerstag, 08.10.2009, 13:02

Bevor jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt. Es geht hier um meinen Hund. Also genauer gesagt um den Schwanz meines Hundes. Und um den damit verbundenen Tierarztbesuch.
Und da sich sicher nicht mehr alle an die Geschichten über Harley erinnern können, bzw. sie noch gar nicht kennen, hier nochmal ein kleiner Überblick.
Ich schreibe hier über einen Beagle. Und noch dazu von einem echten „von“ und „zu“. Alter englischer Landadel sozusagen. Er selbst ist zwar in Österreich geboren, sich aber seiner Abstammung absolut bewusst. Und als Blaublüter nimmt man keine Befehle entgegen. Man kann ihm ein Angebot unterbreiten, und mit etwas Glück nimmt er dieses an. Aber Befehle und Kommandos? Nein, keine Chance.
In meiner grenzenlosen Naivität gab ich die Hoffnung nicht auf, meinen Hund irgendwann davon zu überzeugen dass nicht er sondern ich hier der Chef bin. Nun ja, ich kann mir zumindest nicht vorwerfen ich hätte es nicht versucht. Ich habe viele Bücher zu diesem Thema gelesen, ich habe Kurse mit ihm besucht, ich habe jeden Tag auf’s Neue mit ihm geübt. Und es gab Tage da hatte ich sogar Erfolgserlebnisse. Mein an Sturheit nicht zu überbietender Hund machte was „ich“ wollte. Aber spätestens seit Freitag weiß ich, er hat nur mit mir gespielt. Er wollte mich in dem Glauben lassen, um dann zum großen Schlag auszuholen.
An diesem besagten Freitag entdeckte ich eine entzündete Stelle auf seinem Schwanz, und beschloss dies von unserem Tierarzt abklären zu lassen. An sich ja eine simple Sache. Nicht aber für meinen Hund. Tierarzt und Harley? Keine gute Kombination. Und es liegt sicher nicht am Arzt. Es war auch bei den anderen nicht besser. Scheinbar ist das so eine Art Grundprinzip von ihm.
Schon auf der Zufahrtsstraße zur Ordination begann er jämmerlich zu jaulen. Mit dem Gedächtnis eines Elefanten ausgestattet hatte er die drohende Gefahr natürlich längst erkannt, und weigerte sich dann auch hartnäckig den Wagen zu verlassen. Da ich ihm aber zumindest volumenmäßig überlegen bin, stellte das jedoch nicht wirklich ein Hindernis dar. Ich hob ihn aus dem Auto, und zog ihn einfach hinter mir her. Und mit einem sich spreizenden, knurrenden Etwas betrat ich die Praxis, in welcher sich, welch Überraschung, noch 3 andere Hundebesitzer befanden.
Binnen Sekunden zog Harley die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Und ein wahrer Showmaster weiß was er seinem Publikum schuldig ist. Er fing an zu jaulen, und alle stimmten mit ein. Er begann an der Leine zu ziehen, und alle machten mit. Natürlich nur die Vierbeiner. Die Zweibeiner versuchten ihre Hunde wieder zu beruhigen. Laut. Weil leise hörte man ja nichts mehr.
Ich versuchte erst gar nicht Harley mit Worten zu beruhigen. In solchen Situationen gibt es nur eines was in zumindest für kurze Zeit die Klappe halten lässt. Futter. Und während ich in meiner Tasche danach kramte, geschah es. Die Praxistür öffnete sich. Ein Dackel mit Frauchen bereicherte kurz unseren Hundechor, und sie verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Und mit ihnen mein Hund.
Ich ihm natürlich sofort hinterher. Das heißt ich wollte. Bedingt durch die Enge des Warteraums, 3 Vier- und 3 Zweibeiner, und ebensoviele Leinen, die sich alle irgendwie um meine Füße schlangen, aber kein leichtes Unterfangen. Als ich es dann endlich zur Tür geschafft hatte, war von Harley nichts mehr zu sehen.
Nun befindet sich diese Praxis in einem dreistöckigen Ärztezentrum, und wir waren…, genau, in der Mitte. Also lief ich in den Gang, und brüllte: „HARLEY!!!“. In diesem Moment verfluchte ich den Einfall meinen Hund Harley zu nennen. Denn welcher normale Mensch läuft durch ein Ärtzezentrum und ruft laut nach einem Motorrad. Die Leute die mir entgegenkamen lächelten mich entweder an, oder schenkten mit mitleidsvolle Blicke. Je nachdem. Erstere dachten wahrscheinlich hier wird eine neue Folge von „Echt Fett“ gedreht (zur Erinnerung Palfrader ruft hier immer nach „Beauty“), die anderen hielten mich wahrscheinlich für einen Patienten des hier auch ansässigen Psychiaters.
Und genau hier, fand ich dann auch meinen Hund. Im Warteraum des Psychiaters. Das konnte kein Zufall sein. Ich meine, so viele Ärzte sind hier, aber nein, er geht zum Psychiater.
Ich kam also völlig außer Atem dorthin, und will langsam zu Harley gehen. Da erhebt er sich, kommt erhobenen Hauptes auf mich zu, setzt sich, und sieht mich ganz unschuldig an.
Ich wollte gerade meinen Hund nehmen und so schnell wie möglich von hier verschwinden, da fragte mich die Sprechstundenhilfe: “Haben sie einen Termin?“

Und in diesem Moment hätte ich schwören können, das mein Hund dämlich grinste.

Ich drehte mich um und sagte: „ Noch nicht“.


Mittwoch, 26.08.2009, 08:50



Der Apfel, also in dem Fall ich, und der Stamm, in dem Fall meine Großmutter, können die Verwandtschaft nicht leugnen.

Und um bei den Nahrungsmitteln zu bleiben. Wir gleichen uns wie ein Ei dem anderen. Meine Oma ist zwar schon 80, aber auf den Bildern ihrer Jugend ist die Ähnlichkeit frappierend. Nicht nur das wir beide, im Gegensatz zu der restlichen Familie, etwas zu klein geraten sind. Sondern auch die Gesichtszüge sind ziemlich ident. Und doch sind es vorrangig unsere Charaktereigenschaften, die unsere Familie, und nicht nur diese, abwechselnd amüsiert zur Kenntnis nehmen, oder aber Anlass zu Ärger geben. Wir beide haben nämlich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, und tragen das Herz auf der Zunge. Das diese Kombination nicht immer die Beste ist, ist uns durchaus bewusst. Nichts desto trotz, wir können nicht anders. Ganz egal wen oder was es trifft, es muss raus. Einen echten Giftzwerg, so unser familieninterner Spitzname, kann man nicht stoppen.

So auch am letzten Wochenende, als ich meine Großeltern zu nächtlicher Stunde nach Hause kutschierte. Plötzlich nach einem unbeschrankten Bahnübergang einer Schmalspurbahn, nahe unseres Hauses, wurde ich von der Polizei auf die Seite gewunken.

Mein Vergehen, ich fuhr ohne Anzuhalten über den Bahnübergang, und das trotz Stoptafel.

Meine Entschuldigung, nach 20 Uhr fährt hier kein Zug mehr. Und es war mittlerweile 23 Uhr.

Das alles interessierte die Herren Inspektoren aber einen feuchten Dreck. Hier gibt es eine Stoptafel, also habe ich anzuhalten. Ob unsinnig oder nicht, es ist so. Aus basta.
Sämtliche Diskussionen fruchteten nichts. Und obwohl ich wusste, dass sie im Recht sind, fand ich ihre Vorgehensweise in gewisser Hinsicht ähnlich des Raubrittertums. Und genau das teilte ich ihnen auch mit. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt sich meine Großmutter noch zurück. Als sie mich jedoch fragten, ob ich etwas getrunken habe, mischte sie sich lautstark ein.

„Natürlich hamma was trunken!, rief sie kampflustig vom Rücksitz.
Was einen Inspektor dazu veranlasste zuerst einen Blick in das Wageninnere zu werfen, mich aussteigen zu lassen, und ihn anzuhauchen.
„Und was und wieviel haben sie getrunken?, fragte er, schon nicht mehr sehr freundlich.
Und bevor ich antworten konnte, kam aus dem Wageninneren mit zuckersüßer Stimme: „Mindestens 2 Liter, weil trinken is sooo wichtig. Ah jo, und es war Kaffee, Mineral, Apfelsaft, und Orangensaft. Is de Reihenfolge a wichtig?“

Leicht genervt, kontrollierte der eine dann Fahrzeugpapiere, Reifen, Verbandszeug, Pannendreieck, Lichter und alles was ihm sonst noch so einfiel. Während ich den zweiten in eine Diskussion über die Sinnlosigkeit dieser Amtshandlung verwickelte.

In der Zwischenzeit stieg meine Oma aus, und verfolgte den ums Auto kreisenden Inspektor, um ihm lautstark ihre Meinung zu sagen. Währenddessen litt mein Großvater stumm vor sich hin, und versuchte möglichst unsichtbar zu werden.
Nachdem er natürlich nichts gefunden hatte, das meine Strafe noch erhöhte, gab er mir die Papiere zurück, und verlangte von uns eine gewisse Mäßigung unseres Tones. Weil, so teilte er uns mit, sonst wäre er gezwungen die Strafe doch noch zu erhöhen. Und Beleidigung eines Amtsorganes wäre nicht billig.

„Ach so, fragte meine Oma ganz lieb, was kost‘ denn des wenn i sie Trottel schimpf?.“
„Letzte Warnung, weil sunst wird’s teuer“, sagte der Herr Inspektor darauf hin schon etwas ungehalten, und begann mit dem Ausstellen des Strafzettels.
Als meine Oma den Betrag hörte den ich bezahlen musste, setzte sie sich wutentbrannt ins Auto, und sagte: „Schade, wenn i mehr Geld mitg’habt hätt‘, i hätt‘ ihna do glatt g’sagt das a Trottel san.“

Die nun folgende Diskussion werde ich hier nun nicht mehr niederschreiben, das tat dann der Herr Inspektor für uns.

Als wir dann endlich weiterfahren durften, sagte mein Opa leicht genervt :“ Und wie immer hatte deine Oma Recht. Wir hatten wirklich zu wenig Bargeld mit.“