

Da lag ich also nun frisch und munter im Aufwachraum,(„Weil’s hoit so Vorschrift is‘“ wir erinnern uns) und wartete, auf,… ja auf was eigentlich.
Ich mein‘, nicht das ich jetzt einen anderen Termin gehabt hätte. Aber ich lieg ungern rum, wenn ich nicht weiß wieso. Und schon gar nicht mit leerem Magen.
Die Zeiger der Uhr drehten sich langsam, aber unerbittlich auf High Noon, und mittlerweile verspürte ich den unwiderstehlichen Drang mich zu duellieren. Ohne Colt. Versteht sich. Nur mit den Waffen einer Frau. Also mit Köpfchen und Mundwerk.
Also fragte ich den Pfleger, wie lange das denn hier noch dauern würde, und ob ich irgendwas dazu beitragen könnte um es zu beschleunigen.
Die überaus knappe und nicht sehr freundliche Antwort:“So lang’s eb’n dauert“, und „ Na“!
„So lange WAS dauert?“ fragte ich, mich dem Tonfall meines Gegenübers anpassend.
„Bis ihnare Fiass wieder g’spiern“, schrie er vom Dienstzimmer rein, und biss genüsslich in ein Schinkenbrot.
Das war zuviel für mich. Nein, nicht der Tonfall. Das Schinkenbrot. Mein Magen gab mir unmissverständliche Zeichen, dass es Zeit wurde.
Und deshalb ließ ich ein Wunder geschehen. Ich spürte meine Füße plötzlich. Nicht zur Gänze, aber davon hat er ja auch nichts gesagt. Oder?
Also schrie ich: Wos sog’ns des net glei!
Er kam, sah, und ich siegte.
Ich fühlte mich zwar noch immer wie die zersägte Jungfrau, aber immerhin wartete im Zimmer schon das Essen. Nach dem Seehecht hatte ich schon das Gefühl eine Meerjungfrau zu sein. Nicht das ich in diesem Zustand hätte schwimmen können, aber das Gehen mit dem noch halbtauben Unterleib wäre mir vermutlich ebenso schwer gefallen.
Rechtzeitig zur Besuchszeit am Nachmittag traf jedoch auch mein Unterleib wieder ein und ich konnte aufstehen. Leichtfüssig wie eine Gazelle wollte ich mich aus dem Bett schwingen. Halbseitig gelang es mir auch, nur die linke Seite erinnerte eher an ein Nilpferd, das sich gerade träge im Schlamm wälzt. Aber der Gedanke an eine Zigarette und ein WC, ja in dieser Reihenfolge, gab mir ungeahnte Kräfte.
So schleppte ich mich den ganzen Nachmittag durch die Gegend. Der Umfang meines Beines kam mir zwar komisch vor. Aber, so dachte ich mir, wird halt das ganze Verbandszeug sein. Was denn auch sonst.
Die Nacht war nicht wirklich erholsam, aber Schmerzmittel, nein Schmerzmittel braucht Teilchen nicht. Weil nach einer OP hat man eben Schmerzen. Aus Basta. Da braucht man nicht zu jammern.
Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen. Nach der Morgenvisite sollte es nach Hause gehen.
Die Krankenschwester wickelte den Fuß aus, der Doc sagte: „ Also Fr. Teilchen, heute geht’s nach…“ und in diesem Moment erblickte er meinen Fuß.
Oh, was is denn mit dem Fuaßerl, der schaut aba gor net guat aus“ war dann das nächste was er sagte.
„Fuaßerl???? Bitte des is ka Fuaßerl, des is net amoil a Fuaß“, hörte ich mich im Schock sagen. Das wäre jetzt das gleiche als würde ich zu einem Grizzlybären den ich zufällig in Kanada treffe sagen „Servus Pezibär."
Warum, wieso, weshalb, wann, wer, wie, wo? Alle Fragen hab ich gestellt. Und jetzt ratet mal in welche Kategorie wir all diese Fragen einordnen können. Hauptkategorie: Fragen auf die man keine Antwort bekommt. Unterkategorie: Umsonst
„Sieh’s positiv“, sagte mein Ältester,“ dafür hast kane Dellen mehr. Alles prall.“ Er hatte wirklich Glück, dass ich diese schwere Waffe, mit der ich momentan ausgestattet war, nicht bedienen konnte. Ich hatte nämlich Aufstehverbot.
10 Tage lang! Und es half…, nix. Gar nix, um genau zu sein.
Außer das ich auf dem besten Weg war meinen restlichen Körper, umfangmäßig an meinen linken Fuß anzupassen. Fernsehen, lesen, telefonieren und schlafen sind nicht gerade Tätigkeiten die viel Kalorien verbrauchen. Und essen ist da erfahrungsgemäß erst recht kontraproduktiv.
Der letzte Ausweg war jetzt nur mehr eine Punktion. Von diesem Ergebnis war ich dann so angetan, dass ich den Arzt fragte, ob man denn das nicht an anderen Körperstellen auch……
Die Frage, fiel jetzt leider in die Kategorie: Fragen auf die man eine blöde Antwort bekommt. Unterkategorie: „Leider nein!“